Eine neue Orgel für die Christuskirche

Die Ott-Orgel der Christuskirche von Otto Bartning

Als die Ott-Orgel 1956 eingeweiht wurde, war sie ein stolzes Instrument. Drei Jahre zuvor hatte der bedeutende Architekt Otto Bartning die Christuskirche für die Diplomatenstadt Bad Godesberg erbaut. Sie ist ein ungewöhnlicher Bau, der sich dadurch auszeichnet, dass die Gemeinderäume vollständig in die Kirche integriert sind. Bei Bedarf kann der Kirchenraum durch Öffnung der beweglichen Holzfaltwände auf bis zu 800 Sitzplätze verdoppelt werden. In dieser Kirche war der Bundespräsident zu Hauptstadtzeiten einer von vielen prominenten Gästen. Die Orgel stammte von keinem Geringeren als Paul Ott, damals ein äußerst gefragter Orgelbauer. Der Göttinger Orgelbaumeister war ein Vertreter des neobarocken Orgelbaustils. Er knüpfte an die große Zeit des Orgelbaus im deutschen Barock und dessen handwerkliche und ästhetische Prinzipien an. In einer Zeit, als die meisten Orgeln nicht ohne elektrische oder pneumatische Elemente auskamen, setzte Ott auf vollmechanische Instrumente und vor allem eine rein mechanische Spieltraktur. Die Orgel der Bonner Kreuzkirche, die fast zeitgleich mit der Bad Godesberger Orgel gebaut wurde, stammt ebenso von Paul Ott wie die Orgel, die 1960-2011 in der geschichtsträchtigen Bonner Schlosskirche erklang (sie wurde 2012 durch ein Klais-Instrument ersetzt, die Ott-Orgel fand eine neue Heimat in der katholischen Wallfahrtskirche in Kälberau).

Mit drei Manualen und 44 Registern ist die Ott-Orgel die größte Orgel in Bad Godesberg. In den 50er und 60er Jahren war die Christuskirche daher ein beliebter Ort für Orgelkonzerte. Es wird berichtet, dass der WDR damals Konzerte aufgenommen hat, die allerdings leider nicht mehr erhalten sind.

Warum muss die Orgel ersetzt werden?

Während die deutlich größere Ott-Orgel der Bonner Kreuzkirche (4 Manuale, 65 Register) seit ihrem Einbau zwei mal restauriert und renoviert wurde, ist die Orgel der Christuskirche seit ihrem Einbau in ihren wesentlichen Grundzügen unverändert erhalten geblieben. Eine Orgel muss allerdings etwa alle 15 Jahre von Grund auf gereinigt und gegebenenfalls überholt werden. Eine solche Generalüberholung ist schon seit vielen Jahren überfällig. Orgelbauer gingen seit Jahren in der Christuskirche ein und aus und berieten mit uns, wie mit der Orgel verfahren werden kann. Mit jedem Gespräch wurde deutlicher, dass es nicht sinnvoll scheint, Geld in die Überholung der Orgel zu stellen. Zahlreiche Probleme wurden identifiziert:

  • Das Spiel erfordert einen enormen Tastendruck von bis zu 750 Gramm (normal sind 150 Gramm). Das ist auf Dauer keinem Organisten zuzumuten und trägt nicht zur Spielfreude bei.
  • Wenn viele Register gezogen werden, kann die Orgel nicht ausreichend mit Wind versorgt werden.
  • Zahlreiche Pfeifen sind verformt. Offensichtlich wurde minderwertiges Material verwendet.
  • Durch die neobarocke Registerauswahl fehlen grundtönige Stimmen, die in der Lage sind, den Kirchenraum auf wohlklingende Art zu füllen. Viele Stimmen wirken schrill und laut. Offenbar wurde bei der Disposition der Orgel die trockene Akustik der Kirche mit ihrer kurzen Nachhallzeit nicht ausreichend berücksichtigt. Trotz der großen Registerzahl ist nur ein sehr eingeschränktes Repertoire realisierbar, und auch der Gottesdienst kann nicht angemessen begleitet werden, insbesondere wenn die Kirche gut gefüllt ist.

2015 empfahl der Orgelsachverständige der Rheinischen Landeskirche nach umfangreichen Untersuchungen, das Instrument durch einen Neubau zu ersetzen. Das Presbyterium folgte seinem Rat und beschloss die Einsetzung eines Orgelbauausschusses, um einen Neubau in die Wege zu leiten.

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