Eine neue Orgel für die Christuskirche

Die neue Winterhalter-Orgel der Christuskirche

Bad Godesberg hat ein neues Juwel. Am Pfingstsonntag 2019 erklang die Winterhalter-Orgel zum ersten Mal im Gottesdienst der Christuskirche. Das Instrument stellt eine perfekte Mischung aus Tradition und Moderne dar: Altes Orgelhandwerk in bewährter Tradition wird erweitert durch erprobte moderne Technologie. Mit 31 Registern auf zwei Manualen und Pedal (hinzu kommen eine Transmission und vier Extensionen) ist die neue Orgel rein zahlenmäßig ein ganzes Stück kleiner als die alte Ott-Orgel. Praktisch aber ist mit dieser Orgel viel mehr möglich als es mit unserer bisherigen Orgel je der Fall war. Entscheidend hierfür ist die sorgfältige Intonation für den Raum, die eine hervorragende Mischfähigkeit aller Register gewährleistet, wie Winterhalter von Anfang an versprach:

Jedes Register soll künftig mit jedem anderen kommunizieren können.
(Orgelbaumeister Claudius Winterhalter)

Die neue Orgel kann den hallarmen und damit für Kirchenmusik schwierigen Raum weitaus besser, vielfältiger und mächtiger füllen als unsere alte Orgel. Organisten spielen wieder gerne bei uns und für uns Orgel, ob im Gottesdienst oder zu Konzerten! So konnten wir unter anderem Wolfgang Seifen und Manuel Gera für Konzerte gewinnen. Nicht nur lässt sich auf der neuen Orgel eine breite Orgelliteratur spielen. Ihr auf den Raum abgestimmter Klangreichtum in Verbindung mit einer elektronischen Setzeranlage macht es möglich, dass Organisten unsere Gottesdienste in ganz anderer Weise bereichern können. Zudem kann nun mit einem Schwellwerk dynamisch die Lautstärke und Klangfarbe eines Teils der Pfeifen verändert werden. Und eine midi-Schnittstelle eröffnet ungeahnte Möglichkeiten für den Einsatz heutiger Technik: Etwa, indem Organisten Stücke einspielen und automatisch wiedergeben können, um selbst zu hören, wie sie im Kirchenraum wirken. Oder indem Pfeifen zum Intonieren und zum Stimmen drahtlos aus der Ferne angespielt werden können. Oder auch für Orgelimprovisationen, indem ein zuvor eingespielter Loop unterlegt wird.

Auch optisch setzt die Orgel einen ganz neuen Akzent in der Christuskirche, eines der Hauptwerke des bedeutenden Architekten Otto Bartning. Sie geht in Prospektbild und Gesamterscheinung auf den denkmalgeschützten Kirchenraum und dessen Dimensionierung ein.
Spannend und raffiniert ist, wie die Turmfelder gegeneinander „gependelt“ sind. Je abwechselnd schwingen drei Türme nach vorne respektive nach hinten. Dadurch entsteht für den Betrachter je nach Blickposition im Raum ein rhythmisches, ständig verändertes Bild von sich überschneidenden Kanten und Linien. Die besondere Spannung dieser „symmetrischen Asymmetrie“ wird durch indirekt bestrahlte Goldglasflächen über den Prospektpfeifen und einer künstlerischen gestalteten Oberflächenfarbe in noblen Grautönen abgerundet.

Die einzige andere Winterhalter-Orgel in der Region kann man in der katholischen Kirche St. Winfried am Fuß des Post-Towers am Rand der Rheinauen besuchen (erbaut 2007, 19 Register). Es handelt sich um eine kleine aber sehr feine und trotzdem vielseitige Orgel in einem modernen Betonbau. In der Nähe von Koblenz befindet sich eine ungewöhnliche Schwalbennest-Orgel in Fischform in der romanischen Kirche St. Johannis in Lahnstein. Die wohl spektakulärste Orgel aus der Werkstatt von Claudius Winterhalter ist die 2008 erbaute Orgelskulptur der Klosterkirche Alpirsbach. Sie lässt sich von ihrem normalen Standplatz mittels Luftkissen für Konzerte schwebend im Raum drehen und versetzen.

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